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Presseinformationen

Artikel mit Kommentar von Robert A. Scherl in der Sueddeutschen Zeitung, 18. August 2010:

Ärztemangel Nur nicht Rumänien!

Osteuropa gehen die Ärzte aus. Zu wenig Gehalt, Korruption und mangelhafte Ausstattung lassen Mediziner in Scharen auswandern - zum Glück für Deutschland.

Die Botschaft ist knapp und klar: "Danke, wir gehen" - damit drohen 2500 tschechische Krankenhausärzte, die mit ihrer niedrigen Bezahlung und den Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Gemeinsam wollen sie zum Jahresende kündigen, wenn bis dahin ihre Gehälter nicht kräftig erhöht werden. Ihr Schlachtruf beschreibt auch für andere Länder in Mittel- und Osteuropa ein akutes Problem. Seit sie in der EU sind, ist eine massive Abwanderung von Ärzten und Krankenschwestern in Gang gekommen, die in der reicheren Hälfte Europas ein besseres Auskommen finden. Auch Deutschland profitiert davon, weil so der Exodus des eigenen medizinischen Nachwuchses nach Skandinavien oder in die Schweiz wenigstens zum Teil ausgeglichen wird.

In den Herkunftsländern der wandernden Doctores reißt dies schmerzliche Lücken. In Tschechien können derzeit 700 Arztstellen nicht besetzt werden, auf dem Land ist die Zahl der praktischen Ärzte rapide im Sinken. In Bulgarien erklärte jüngst der Industrieverband die Lage im Gesundheitswesen für alarmierend. "Jeden Tag verlässt ein Arzt das Land", sagt die Gesundheitsministerin Anna-Maria Borissowa. Seit dem EU-Beitritt 2007 hat Rumänien 6000 Ärzte, Zahnärzte und Pharmazeuten an andere Länder verloren, wo ihre Ausbildung anerkannt wird. Tausende weitere haben laut Ärzteverband allein in der ersten Hälfte 2010 bei Jobmessen Vorverträge mit Vermittlern geschlossen. Mehr als 4000 Krankenschwestern sind ebenfalls gegangen.

Der Fall Rumänien zeigt, wo die Ursachen liegen. Ein junger Arzt verdient dort manchmal nur 350 Euro im Monat, wobei die Patienten aus Sorge um bestmögliche Behandlung meist aus eigener Tasche draufzahlen - so tief ist die Korruption ins Gesundheitswesen vorgedrungen. In Deutschland, Frankreich oder Großbritannien bekommt der Emigrant in vergleichbarer Position bis zum Zehnfachen, brutto jedenfalls. Gerade in Rumänien sind es auch die mangelhafte Ausstattung der Kliniken und die vielen Überstunden, die manchen jungen Mediziner zur Flucht veranlassen.

Schmiergeld für den Chirurgen

Dazu kommt, dass die Regierung jetzt für den öffentlichen Dienst, das medizinische Personal eingeschlossen, Gehaltskürzungen von 25 Prozent verkündet hat, um den Staatsetat zu sanieren. Anderswo ist der Unterschied zum West-Niveau nicht ganz so krass, aber immer noch erheblich. In Polen haben deshalb die Krankenschwestern schon mehrmals gestreikt und demonstriert.

Dramatisch ist die Lage allerdings auch in deutschen Kliniken, wo 5000 Arztstellen im Jahr 2009 unbesetzt blieben. "Mittlerweile gehen die Krankenhäuser so weit, dass sie jungen ausländischen Ärzten den Sprachkurs bezahlen, um überhaupt noch Mediziner zu bekommen", berichtet Robert A. Scherl, Inhaber einer Ärztevermittlung in Prag. Und Paul de Raeve, Generalsekretär der Europäischen Föderation der Krankenschwestern-Verbände, verlangt von der EU- Kommission, sie solle endlich einheitlich erheben, wie viele Pflegekräfte in welchen Ländern gebraucht werden.

Der Verschub führt zu Kettenreaktionen. Die Lücken, die sich in Bulgarien oder Tschechien auftun, werden mit Medizinern aus Weißrussland, der Ukraine, Russland oder Indien gefüllt - so werden die Probleme exportiert. Laut de Raeve droht Gefahr auch aus den USA: Dort werden nach Obamas Gesundheitsreform eine Million zusätzliche Krankenschwestern gebraucht.

Artikel des Magazins Stern von Wolfgang Jung, 16. Februar 2004, DPA:

Ärzte aus Osteuropa heilen Personalmangel

Rund 1300 Kilometer von Deutschland entfernt bereitet sich der rumänische Gynäkologe Adrian G. in diesen Tagen auf ein Vorstellungsgespräch in einem bayerischen Krankenhaus vor. Wie viele Einrichtungen nicht nur in den alten Bundesländern, sucht die Klinik händeringend nach Ärzten. Um sich aber selbst die Mühen eines Auswahlverfahrens zu ersparen, hat sich die Leitung an eine der vielen Vermittlungsagenturen gewandt: an SCHERL & PARTNER aus Prag , die dann Adrian G. in Rumänien ausfindig machte.

"Seit die Bundesanstalt für Arbeit im Frühjahr 2002 ihr Monopol abgegeben hat, haben wir etwa 40 Ärzte aus Osteuropa nach Deutschland vermittelt", sagt Thomas Krzenck von der sächsischen Gesellschaft. Das Unternehmen findet vor allem in Rumänien und Bulgarien, aber auch in Tschechien, Polen und der Slowakei geeignete Kandidaten für offene Stellen. "Der Ärztemangel in Deutschland ist sicher nicht in drei, vier Jahren zu beheben", meint Krzenck. "Zudem ist das Urteil von September 2003 eine Chance für Firmen wie uns."

15 000 zusätzliche Mediziner nötig

Damals hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Bereitschaftsdienste von Ärzten in Krankenhäusern voll auf die Arbeitszeit anzurechnen seien. Das gelte auch dann, wenn ein Arzt während der Bereitschaft in der Klinik schlafen kann, urteilte das Gericht auf der Grundlage der geltenden Arbeitszeitrichtlinie. Ärzteverbände in Deutschland schätzen, dass etwa 15 000 Mediziner zusätzlich eingestellt werden müssten. Die Bundesregierung beziffert die Gesamtkosten auf 1,75 Milliarden Euro.

Die meisten Anfragen erhalte das Unternehmen von Kliniken aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie aus Niedersachsen und Bayern, sagt Krzenck. "Früher haben Krankenhäuser Anzeigen in ausländischen Fachmagazinen geschaltet, aber das ist eine Lotterie. Denn dass der geeignete Kandidat gerade diese Annonce liest, ist doch unwahrscheinlich." Die Zahl der schwarzen Schafe unter den Agenturen sei leider hoch, meint Krzenck: "Ich würde sagen, dass in Deutschland derzeit etwa sechs seriöse Anbieter auf dem Markt sind."

Abwerben angeblich kein Aderlass

Hat eine Klinik einen Auftrag erteilt, sucht die Leipziger Firma mit Hilfe von lokalen Mitarbeitern in Osteuropa einen geeigneten Bewerber. Dass das Abwerben für die betreffenden Länder einen Aderlass darstellen könnte, bestreitet Krzenck: "Dort gibt es keinen Mangel, und es handelt sich ja nicht um eine Völkerwanderung von Tausenden Ärzten." Kandidaten müssten dem Anforderungsprofil der suchenden Klinik entsprechen und gute Deutschkenntnisse besitzen, meint er: "Vor Vorstellungsgesprächen wird jeder Arzt noch von uns geprüft.

Die bisher überwiegend männlichen Bewerber seien meist zwischen 30 und 40 Jahre alt und mitnichten alle ledig gewesen, sagt Krzenck: "Einige wollen nur zwei, drei Jahre bleiben, andere ihre Familie nachholen. Für viele ist es ein Risiko, denn alle geben gute Stellen in ihrer Heimat auf." Für die Vermittlung plus verschiedene Garantien berechnet die Agentur drei Bruttomonatsgehälter. "Natürlich gab es auch Reinfälle, zum Beispiel ist eine polnische Ärztin kurzfristig abgesprungen, oder eine Klinik hat einen Rückzieher gemacht.

In Deutschland das fünffache Gehalt

Nach Angaben der Ärztegewerkschaft in Prag arbeiten derzeit mehr als 400 tschechische Ärzte in deutschen Krankenhäusern. "Grund ist oft die Bezahlung: In Tschechien bekommt ein Spitzenarzt umgerechnet 1000 Euro im Monat, in Deutschland ist es leicht das Fünffache", betont Vorsitzender Milan Kubek. Monatlich stelle die Ärztekammer etwa 25 Bescheinigungen für wechselwillige Mediziner aus, erzählt er. "Wir gleichen das mit Kräften zum Beispiel aus Weißrussland aus, zudem arbeiten derzeit nur rund 2 000 von insgesamt 33 000 tschechischen Ärzten im Ausland.

Gelegentlich stoße man in deutschen Krankenhäusern auch auf Vorbehalte, wenn man Ärzte aus Osteuropa vorschlage, meint Krzenck: "Die Situation ist für einige ungewohnt, und manchmal hat eine Klinik auch schon schlechte Erfahrung gemacht." Auf Dauer könne sich das deutsche Gesundheitswesen aber dieser Entwicklung nicht verschließen, glaubt er: "Die Ärztewanderung ist keine Einbahnstraße. Schon jetzt gehen viele deutsche Mediziner nach Skandinavien und England, wo sie mehr verdienen können."